Die Firma Kübler & Niethammer in Breitenbrunn

Breitenhof wäre beinahe zum Firmensitz der Firma Kübler & Niethammer geworden – ein Unternehmen, dass noch heute in Kriebstein als Aktiengesellschaft existiert und vor dem Zweiten Weltkrieg die bedeutendste Zeitung Südamerikas, „La Prensa“ in Buenos Aires, mit Zeitungspapier versorgte.

Breitenhof hatte eine lange Geschichte: Früher war ein Hammerwerk im Besitze der Familie von Stieglitz gewesen, berichtet die Festschrift der Firma Kübler & Niethammer aus dem Jahre 1906. Weiter heißt es: „Im Jahre 1845 erwarb es Goldammer, der große Stücke davon an den Fiskus verkaufte und 1857 in Konkurs geriet. 1860 kaufte die Konkursgläubigerschaft Wachlers den Stamm des Hammerwerkes, verkaufte ihn aber kurz darauf an den Bergfaktor Scheidhauer, der ihn am 20. November 1860 an Schönherr weiter veräußerte. Unter diesem wurde der Betrieb des Hammerwerkes eingestellt und nur die Schneidermühle in Tätigkeit erhalten.“(1)
Am 19. Oktober 1865 erwarb die Firma Kübler & Niethammer das Hammerwerk Breitenhof. Albert Niethammer wollte in Breitenhof eine Holzschleiferei und Papierfabrik bauen und den Firmensitz von Kriebstein nach Breitenhof verlagern.(2) Im Spätherbst 1866 übersiedelte Niethammer mit der gesamten Familie nach Breitenhof. Nachdem er jedoch die Kriebsteiner Fabrik von dessen Besitzer Pohl kaufen kann, zieht er im Oktober des Folgejahres zurück nach Kriebstein.(3) Der Ausbau von Breitenhof zur Papierfabrik unterblieb somit.(4)
Kübler starb 1865. Die Witwe Kübler schied zum 1. Januar 1872 aus der Firma aus: Sie übernahm Breitenhof. Kriebstein und Georgenthal überließ sie ihrem Bruder Albert Niethammer.(5) Nachdem sie am 5. September des selben Jahres eine zweite Ehe mit Eugen Holtzmann eingegangen war, baute dieser elf Jahre später Breitenhof zu einer Papierfabrik mit 1,62 Meter breiten Papiermaschine aus. Holtzmann starb am 3. Oktober 1901. Er war in der Papierbranche kein unbeschriebenes Blatt: Bis zu seinem Tode war er der 1. Vorsitzende des Aufsichtsrates des „Verbandes Deutscher Druckpapier-Fabriken G.m.b.H.“ – ein Zusammenschluss von Firmen, der den gemeinsamen Vertrieb von Zeitungspapier organisierte, um die Preise stabil zu halten. Am 1. November 1901 kaufte Niethammer Breitenhof zurück.(6)

1,5 Tonnen Holzschliff im Jahre 1905 hergestellt

Nachdem die Papierfabrik außer Betrieb gesetzt war, wurde die Schleiferei 1902/3 vollständig umgebaut. Diese arbeitete nun bei genügend Wasser mit 540 PS (zwei Turbinen à 200 PS, eine à 140 PS bei einem Gefälle von 15,4 Metern). Drei Schleifer, die auf die Wellen der Spiralturbinen gekuppelt waren, standen mit Sortierapparaten und Pappmaschinen in einem Raum. Ein Schleifer zu 120 PS und zwei Großkraftschleifer zu je 200 PS erzeugten allein im Jahre 1905 Holzschliff der Masse von 1.469.150 kg.(7) 1906 gehörte der Firma Kübler & Niethammer 21.356 Hektar Land in Breitenhof und 10.712 in Breitenbrunn.(8)
1918 kaufte Kübler & Niethammer die Kartonfabrik und Holzschleiferei Breitenbrunn. Die veraltete Kartonmaschine wurde beseitigt, nur die Schleiferei wurde betrieben. Im gleichen Jahr kauft die Firma die bekannte „Hammerschänke“.(9)
Der Mangel an Kohle hatte die Bedeutung der Wasserkraft während des Ersten Weltkrieges wieder steigen lassen.(10) Um 1929/30 war folgende Nutzung der Wasserkraft verzeichnet: Breitenhof 600 PS, Breitenbrunn 180 PS.(11) Zu Beginn der 30er-Jahre verlor die Wasserkraft an Attraktivität. Die Holzschleifereien im Erzgebirge wurden auf die Erzeugung von Elektoenergie umgestellt.(12)

Erholungsheim Breitenhof

Für die Erholung der Beamten und Arbeiter (vor allem am Stammsitz in Kriebstein) standen Häuser in Meran, am Tegernsee und in Breitenhof zur Verfügung. In Breitenhof konnten sechs Wohnungen von Familien genutzt werden, weiterhin 23 Zimmer mit 40 Betten.(13)
Die ehemalige Steinfabrik (am Ortsausgang Breitenbrunns in Richtung Antonsthal auf der rechten Seite) war das Erholungsheim. 1939 wurden 297 Gäste gezählt (3631 Besuchstage), ein Jahr später 95 Gäste, das Jahr darauf 140. Nach dem Krieg, so plante die Firma 1942, sollte das Heim Breitenhof neu ausgestattet werden.(14) Auch die Hitlerjugend nutzte die Objekte der Firma. In der Festschrift 1942 hieß es: „Auch das HJ-Heim im Weißen Haus in Breitenbrunn ist von der HJ während der Schulferien regelmäßig belegt worden... Unsere alte Tischlerei im Erholungsheim Breitenhof benutzt die Flieger-HJ Breitenbrunn, Schar II, Gruppe Halle a[n der] S[aale] als Werkstatt für den Bau ihrer Flugzeugmodelle.“ 25 Jungen im Alter von 14 bis 18 Jahren ließen an den Berghängen ihre kleinen Modellflugzeuge starten.(15)

Anmerkungen:
(1) Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Firma Kübler & Niethammer in Kriebstein, 15. März 1906, S. 20.
(2)Ebenda, S. 6.
(3)Firma Kübler & Niethammer, Papier aus Kriebstein: Herausgegeben aus Anlaß des 100jährigen Geburtstages der Firma, Frankfurt am Main o. J. [1956], S. 17.
(4)Industrielle Welt: Eine Sammlung biographischer Darstellungen aus Handel und Industrie in Wort und Bild, Sonderdruck: Deutsche Papier- und Zellstoff-Fabriken in Wort und Bild, München o. J. [1930].
(5)Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Firma Kübler & Niethammer in Kriebstein, 15. März 1906, S. 7.
(6)Ebenda, S. 16; Industrielle Welt: Eine Sammlung biographischer Darstellungen aus Handel und Industrie in Wort und Bild, Sonderdruck: Deutsche Papier- und Zellstoff-Fabriken in Wort und Bild, München o. J. [1930].
(7)Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Firma Kübler & Niethammer in Kriebstein, 15. März 1906, S. 20; Anhang.
(8)Ebenda, Anhang.
(9)Firma Kübler & Niethammer, Papier aus Kriebstein: Herausgegeben aus Anlaß des 100jährigen Geburtstages der Firma, Frankfurt am Main o. J. [1956], S. 55.
(10)Industrielle Welt: Eine Sammlung biographischer Darstellungen aus Handel und Industrie in Wort und Bild, Sonderdruck: Deutsche Papier- und Zellstoff-Fabriken in Wort und Bild, München o. J. [1930].
(11)Ebenda.
(12)Firma Kübler & Niethammer, Papier aus Kriebstein: Herausgegeben aus Anlaß des 100jährigen Geburtstages der Firma, Frankfurt am Main o. J. [1956], S. 58.
(13)Industrielle Welt: Eine Sammlung biographischer Darstellungen aus Handel und Industrie in Wort und Bild, Sonderdruck: Deutsche Papier- und Zellstoff-Fabriken in Wort und Bild, München o. J. [1930].
(14)Kübler & Niethammer, Zum 15. März 1942!, Kriebstein [1942], S. 34.
(15)Ebenda, S. 44.


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