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Die Firma Kübler & Niethammer in Erlabrunn
Einer der Firmengründer, Albert Niethammer, entstammte einer evangelischen Pastorenfamilie. So galten auch seine ursprüngliche Neigungen dem Studium der Theologie. Sein Vater, ein Forstmeister in Wildberg im Schwarzwald, hatte noch vier Töchter. Weil Niethammer sich die Aufgabe gestellt hatte, später für seine Schwestern zu sorgen, verzichtete er auf ein Studium der evangelischen Theologie, da es zu lange gedauert und die Besoldung eines Pfarrers nicht ausgereicht hätte, um die Geschwister vor der Hochzeit auszustatten. „Seine tiefe Frömmigkeit und sein fester Glaube an die göttliche Führung aber blieben allezeit die Richtschnur seines Handelns“, heißt es in der Chronik zum 100-jährigen Geburtstag der Firma Kübler & Niethammer. Im Frühjahr 1850 trat er im Alter von 17 Jahren in die Papierfabrik Heinrich Völters Söhne in Heidenheim (Württemberg) ein. Dort absolvierte er eine technische und kaufmännische Lehre zusammen mit seinem späteren Partner Fritz Kübler.
Fritz Kübler und Albert Niethammer in jungen Jahren
Kübler wurde am 4. Januar 1833 in Heidenheim geboren. Albert Niethammer schrieb in den Erinnerungen zum 25-jährigen Bestehen des Betriebes, eine „wesentliche Übereinstimmung unserer Lebensanschauungen und Lebenspläne“ sei eher nicht der Fall gewesen. Die Freundschaft sei gewachsen „durch eine warme Teilnahme an den Interessen des Geschäfts“ in der Heidenheimer Papierfabrik. Nach 4 ½ Jahren gemeinsamer Lehre zieht es Kübler nach München. Er will dort Chemie studieren. Doch dazu kommt es nicht, denn ihm wird eine lukrative Stelle in Sachsen angeboten. 1856: Die Firma Kübler & Niethammer wird gegründet Im Herbst 1855 wird Kübler Leiter der Kriebsteiner Papierfabrik. Sein Vorgänger, Naundorff, war vom Triebwerk einer Papiermaschine erfasst worden und an den Folgen verstorben. Kübler und Niethammer pachteten die Fabrik für 10.000 Thaler, die sich beide bei einem gemeinsamen Freund und Niethammers Onkel liehen. Am 15. März 1856 ging die Fabrik für zwölf Jahre an die jungen Schwaben. Der Pächter Fr. W. Gustav Pohl widersetzte sich allen größeren grundlegenden Bauten und Neuanschaffungen, weswegen Kübler und Niethammer zum Entschluss kamen, dass sie auf Dauer nicht in Kriebstein bleiben könnten. Wenn sich die Gelegenheit bot, wollten sie ein Grundstück kaufen. Kübler und Niethammer waren von einer technischen Neuerung überzeugt, auf die andere Zeitgenossen keinen Pfifferling gewettet hätten: Der Herstellung von Papier aus Holz. Friedrich Gottlob Keller erfand 1843 den Holzschliff. Dadurch wurde das Papier ein Massenerzeugnis. Die ersten Papiere waren allerdings wenig fest, nach kurzem Liegen in der Sonne vergilbten sie und wurden brüchig. Zum Jubiläumsvortrag im Jahre 1931 sagte Wilhelm Niethammer: „Er [Albert Niethammer senior] war seit jeher von der Zukunft des neuen Halbstoffes, nämlich des Holzschliffes, fest überzeugt und bestrebt, sich diese Erfindung nutzbar zu machen, die er durch das Zusammenarbeiten mit Völter kennengelernt hatte und von der er eine Umwälzung in der Papier-Industrie voraussah.“ Kübler & Niethammer kauft Georgenthal 1860 wurde den beiden Firmengründern die nach einem Brand im Wiederaufbau begriffene Papiermühle Georgenthal zum Kauf angeboten. 1860 und 1861 bauten sie die Fabrik am Schwarzwasser auf. Kübler und Niethammer gründeten damit die erste Holzschleiferei Deutschlands, die von einer Papierfabrik unabhängig war. Damit wurde zum ersten Mal im Januar 1862 Holzschliff industriell hergestellt. ![]() Die Holzschleiferei Georgenthal um 1905 Zwischen Albert Niethammer und seinem einstigen Chef Heinrich Völter bestanden Meinungsverschiedenheiten in der Frage, ob die Schleifapparate in die Papierfabrik gehörten oder nicht. Völter bejahte dies. Niethammer vertrat hingegen die Ansicht, der Schleifprozess müsse als selbständiger Fabrikationszweig ausgebildet werden. Dieser Standpunkt kam zum ersten Mal in Georgenthal zur praktischen Ausführung. König Albert soll deshalb bei einem Besuch im Erzgebirge gesagt haben: „Wahrlich eine Mutter von vielen Kindern.“ Die Geschichte gab dann aber Völter recht. Die Tatsache, dass in Georgenthal zum ersten Mal Holzschliff industriell hergestellt wurde, wurde in der Geschichte der Papierindustrie mehrfach bezweifelt, zuletzt von Wisso Weiß (Zeittafel zur Papiergeschichte, Leipzig 1983, S. 346, 349). Dabei hatte der Verein Deutscher Holzstoff-Fabrikanten e.V. mit seinen „Erinnerungsblättern zum 50jährigen Bestehen des Vereins: 1873-1923“ die Sache klargestellt: „Sieht man aber den Begriff der Handelsschleiferei in dem unbeschränkten Absatz an eine Vielheit von Käufern, so kann die Fabrik Georgenthal für sich in Anspruch nehmen, die erste deutsche Handels-Holzstoff-Fabrik gewesen zu sein. Kurz nach ihr kam der Betrieb von Kauffmann & Rudel in Hütten bei Königstein in Gang.“ Am 13. Februar 1862 war der erste Holzstoff von Georgenthal, verpackt in Fässern, abgeschickt worden. Über die neue Fabrik am Schwarzwasser berichtet die Chronik zum 100-jährigen Jubiläum: „Allerdings waren bei der Inbetriebnahme dieser Holzschleiferei zunächst erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden. Für die Welle des Wasserrades, das einen Durchmesser von elf Metern hatte, wurde im Kriebsteiner Forst eine geeignete Eiche gefällt und der Stamm mit Pferden nach dem 90 Kilometer entfernten Georgenthal geschafft. Nur wenige Stunden war aber das Wasserrad in Betrieb gewesen, als die Welle zusammenbrach. Daraus gewann Albert Niethammer die Erkenntnis, daß eine hölzerne Welle den auftretenden Belastungen niemals gewachsen sein könnte. Er setzte sich daher mit Professor Kankelwitz von der Technischen Hochschule Stuttgart in Verbindung, der eine eiserne Hohlwelle konstruierte, die die in sich gesetzten Erwartungen erfüllte.“ 1862 konnte die Fabrikation hernach anlaufen. Ein 70-PS-Wasserrad mit einem Durchmesser von zehn Metern erzeugte nun die Kraft, um Holz zu schleifen. Im Herbst 1864 war beschlossen worden, die Georgenthaler Schleiferei durch eine 75-PS-Tangentialturbine und der dazu nötigen Fabrikationsmaschinen leistungsfähiger zu machen. Im Sommer 1865 kam die Anlage in Gang. Die Fabrik in Kriebstein profitierte von der Mehrproduktion. Der damals bei der Fabrik gelegene Gasthof Täumerhaus wurde 1881 dazugekauft. 1652 war es erbaut worden. Nachdem er am 9. Mai 1905 niederbrannte, wurde er an seiner heutigen Stelle in Erlabrunn wieder aufgebaut. ![]() Das alte Täumerhaus in Georgenthal (um 1905) Im Jahre 1898 wurde die Fabrik in Georgenthal mit zwei Voithschen Spiralturbinen von 115 und 150 Pferdestärken versehen und vollständig umgebaut. Das genutzte Gefälle lag bei 11,30 Meter. 1906 standen in Georgenthal drei Schleifer à 100 PS, mit denen im Vorjahr 833.940 kg Holzschliff hergestellt worden. Kübler, der eine Schwester Niethammers geheiratet hatte, starb am 2. Mai 1865 nach zweijähriger Krankheit. Weder die Übersiedlung nach Georgenthal noch der Besuch des Bades Lippsprunge hatten ihm Linderung verschafft. Als Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung für seinen Schwager ließ Niethammer den Firmennamen unverändert. Die Witwe Kübler schied zum 1. Januar 1872 aus der Firma aus: Sie übernahm Breitenhof. Kriebstein und Georgenthal überließ sie ihrem Bruder Albert Niethammer. Wasserkraft-Nutzung in Albertsthal 1882/83 wurde die oberhalb Georgenthal gelegene Wasserkraft zu einer Schleiferei ausgebaut. Sie erhielt den Namen Albertsthal. Die Festschrift von 1906 berichtet, dass die Fabrik nach Albert junior benannt sei. Zwei Turbinen mit je 125 PS wurden aufgestellt. 1895 und 1900 wurde umgebaut: Nun wurde die Fabrik mit zwei Spiralturbinen von 115 und 175 Pferdestärken versehen. Das Gefälle betrug 12,60 Meter. Die vier Schleifer zu 75 PS stellten 914.215 kg Holzschiff her (1905). Albert Niethammer gewann die bedeutendste Zeitung Südamerikas, „La Prensa“ in Buenos Aires, als Kunden. Bis zum Sommer 1930 lieferte er das Papier über 40 Jahre lang, nur unterbrochen durch 3 ½ Jahre während des Ersten Weltkrieges.
Albert Niethammer seniorNiethammer heirate Johanna Voith, die Tochter des berühmten Maschinenfabrikanten Johann Matthias Voith. Bei der Geburt seines Sohnes Albert stirbt sie – nach einjähriger Ehe. Zur Maschinenfabrik Voith bestand allerdings noch lange Verbindung, so die Chronik von 1906. Aus der zweiten Ehe (1859) mit Jenny Crusius stammen Walter, Johanna und Konrad. Niethammer zog 1879 als nationalliberaler Abgeordneter in den Sächsischen Landtag ein. Von 1881 bis 1884 und von 1887 bis 1890 wirkte er Reichstag. Im Alter von 75 Jahren verstarb er am Karfreitag 1908. Am 15. März 1906 hat er seine beiden Söhne Albert junior und Konrad zu Mitinhabern der Firma ernannt. Albert junior Übernahm die technische Leitung, Konrad die kaufmännische. Zudem war Konrad auch in die politischen Fußstapfen seines Vaters getreten: als nationalliberaler Abgeordneter im Sächsischen Landtag. Albert junior starb bereits zwei Jahre nach seinem Vater (am 10. Februar 1910) an Lungenentzündung. Konrad wird – nach einem Vertrag mit den Erben seines Bruders Albert – im Frühjahr 1911 Alleininhaber. Konrad Niethammer avancierte 1926 zum 1. Vorsitzenden des Aufsichtsrates des „Verbandes Deutscher Druckpapier-Fabriken G.m.b.H.“ – ein Zusammenschluss von Firmen, der den gemeinsamen Vertrieb von Zeitungspapier organisierte, um die Preise stabil zu halten. Dieses Amt hatte in der Familie Tradition: Albert Niethammer junior war von 1901 bis 1910 bereits 1. Vorsitzender. In der Festschrift von 1906 wird bereits deutlich, dass Georgenthal und Albertsthal keine Ewigkeitsgarantie beanspruchen konnten: „Bisher hatte man geglaubt, daß nur mit Hilfe von Wasserkräften Holzmasse vorteilhaft herzustellen sei. Ist dies auch richtig, insofern auch bei günstigen Gefäll- und Wasserverhältnissen die Wasserkraft jede andere an Billigkeit übertrifft, so kommt doch andererseits in Betracht, daß die Vorteile mehrerer Jahre oft durch ein einziges trockenes Jahr aufgewogen werden, ferner, daß Wasserkräfte, die man als günstig bezeichnen könnte, immer seltener werden und schließlich, daß man die Wasserkraft eben dort, wo man sie findet, ausbauen muß, während man mit der Dampfkraft beweglich ist und neben die Papierfabrik rücken kann.“ Zwei Jahre zuvor hatte eine abnorme Trockenheit die Nachteile der Wassernutzung vor Augen geführt. Im Sommer 1905 kaufte die Firma Kübler & Niethammer die Holzschleiferei Erlabrunn, die die Firma schon seit dem Tod des früheren Besitzers Albert Klotzsch im Jahre 1878 für wie Witwe verwaltet hatte. 1906 arbeiteten dort eine Turbine mit 95 PS und eine mit 55 PS bei einem Gefälle von 9,45 Meter. Durch Neubau sollte ein Gefälle von 17 bis 18 Metern erreicht werden, berichtet die Chronik von 1906. Im Jahre 1905 erzeugten ein Schleifer zu 70 PS und einer zu 50 PS 402.660 kg Holzschliff. Von den 989 Arbeitern im Jahr 1905 wirkten 54 in Albertsthal, Georgenthal, Erlabrunn und Breitenhof. Die Zahl der Arbeiter und Beamten zusammen mit Familienangehörigen betrug in den genannten Orten 186. Die Papierfabrikation der Firma Kübler & Niethammer: 1856: 171.622 kg 1857: 250.213 kg 1860: 278.923 kg 1863: 386.533 kg 1865: 413.920 kg 1870: 719.529 kg 1875: 1.320.588 kg 1880: 2.909.015 kg 1885: 4.869.015 kg 1890: 9.855.766 kg 1895: 12.852.722 kg 1900: 19.673.829 kg 1905: 25.316.098 kg Bis 1906 hatte die Firma insgesamt 331.108.348 Kilogramm Papier hergestellt. Als Rollenpapier für eine Tageszeitung würde das eine Länge von knapp 804 Millionen Metern ergeben. 20 Mal könnte man damit den Erdäquator umwickeln. Zweimal bis zum Mond würde die Papierrolle reichen. Der Erste Weltkrieg bringt für die Firma Belastungen. Zählte sie 1914 bei Ausbruch des Krieges 1031 Männer und 127 Frauen als Betriebsangehörige, so waren vier Jahre später 439 Männer und ebenso viele Frauen. 1922 Umbau der Schleiferei Erlabrunn Der Kohlemangel während des Ersten Weltkrieges ließ den Wert der Wasserkraft deutlich steigen. Nach Beendigung des Krieges wurde sofort an den weiteren Ausbau der Wasserkräfte gegangen. 1921 erhält Albertsthal neue Maschinen, 1922 wird die Schleiferei Erlabrunn und der Gasthof Täumerhaus umgebaut. Folgende Wasserkräfte wurden um 1929/30 genutzt: Albertsthal 317 PS, Georgenthal 265 PS, Erlabrunn 316 PS. ![]() Das Erlabrunner Täumerhaus Mit der Weltwirtschaftskrise werden um 1930 die Absatzschwierigkeiten fühlbar. Die Holzschleifereien Albertsthal, Georgenthal, Breitenhof und Erlabrunn stellen ihre Arbeit ein. 1930/31 werden sie umgerüstet, um elektrischen Strom zu erzeugen. Die Kohle hatte über Wasserkraft obsiegt. Ein Kapitel sächsischer Industriegeschichte ging zu Ende. Wilhelm Niethammer fasste diese Entwicklung 1931 zusammen: „Schon vor dem Kriege waren die Wasserschleifereien infolge der kleinen und schwankenden Wasserkräfte und der räumlichen Entfernung von den Papierfabriken allgemein in schwieriger Lage, sie konnten sich in und nach der Kriegszeit erholen, als die Versorgung mit Kohle schwierig war und der Wert der Wasserkraft dadurch stieg. Das änderte sich jedoch bald wieder, und es war nicht zu verkennen, daß sich die erwähnten Nachteile gegenüber den Großkraftschleifereien mehr und mehr geltend machten. Es war schon vor einigen Jahren keine Möglichkeit mehr zu finden, diese Betriebe wieder wirtschaftlich zu gestalten, indessen konnte man sich nicht zu ihrer Stillegung entschließen, weil man noch immer auf einen Ausweg hoffte. Statt desssen verschärfte sich die Wirtschaftskrise immer mehr und zwang uns zu dem Entschluß, die Gebirgsschleifereien... stillzusetzen.“ Am 15. März 1931 ernennt Konrad seine vier Söhne Wilhelm, Gerhard, Ralf und Horst zu Mitinhabern. Am 14. September des Jahres starb Konrad. Anfang der 30er-Jahre spitzt sich die wirtschaftliche Lage weiter zu. 1933 sind 133 Stillstandstage verzeichnet. Ab 1935 wurde wieder die volle Produktion gefahren. Während Gerhard und Ralf ihre Feldpostbriefe ohne „Heil Hitler“ unterschrieben, tat es Bruder Wilhelm. Horst Niethammer trichterte 1942 den Arbeitern ein, im Zweiten Weltkrieg gehe es darum, „den Untergang des Abendlandes abzuwenden“. Die Bolschewisten seien überwiegend „ein unzivilisiertes, rohes Volk“. Kämen sie nach Berlin, wäre dem deutschen Volk „eine bestialische, in jeder Weise bis in die letzte Konsequenz durchgeführte Vernichtung“ beschieden. Skikurse der Hitlerjugend im Täumerhaus Über das der Firma gehörende Täumerhaus heißt es in der Festschrift zum 86. Geburtstag (1942): „Unserem Gasthof Täumerhaus im Erzgebirge... haben wir am 3. Mai 1941 der HJ – Bann Aue – für die erweiterte Kinderlandverschickung mit zur Verfügung gestellt. Eine Mädchenschulklasse aus Elberfeld (46 Mädchen mit 3 Führerinnen und 1 Lehrerin) war bis kurz vor Weihnachten 1941 im Täumerhaus untergebracht. Anfang Januar und Anfang März 1942 hatte die HJ die Teilnehmer an je einem einwöchentlichen Schilehrkursus im Täumerhaus einquartiert. Eine neue Belegung mit Kindern aus den luftgefährdeten Gebieten ist in Aussicht genommen.“ Ralf Niethammer fiel 1943 in Russland. Wilhelm und Gerhard Niethammer wurden am 22. Oktober 1945 mit allen Angehörigen der Familie zuerst in das Konzentrationslager Radeberg gebracht, von dort auf die Insel Rügen. Die Familie wurde enteignet und flieht in den Westen. Im März 1946 demontierten die Sowjets die Fabriken Kriebstein, Kriebethal und Kriebenau. In mehr als 3000 Eisenbahn-Wagen wurden sie gen Osten gebracht. Die Stromerzeugung im Schwarzwassertal wird auch nach 1945 fortgesetzt. Die Erholungsheime in Breitenbrunn sind von der Verwaltung der Wismut belegt. Die Sozialpolitik der Firma Nach der Gründung der Firma war die Sonntagsruhe unbekannt. Albert Niethammer senior kämpfte in der Öffentlichkeit für die Einführung eines Gesetzes, das die Sonntagsruhe für alle Betriebe obligatorisch regeln sollte. 1885 wurden die ersten beiden Betriebskrankenkassen gegründet. Schon 1860 richtete die Firma eine Fabriksparkasse ein. Die Einlagen wurden mit 5 Prozent verzinst, ab 1885 mit 6 Prozent. 1937 musste der Zinssatz auf staatliche Anordnung hin auf 3 Prozent vermindert werden. In der Chronik von 1906 werden die sozialen Leistungen für die Arbeiter erwähnt: 1.)Arbeiter, die länger als ein Jahr der Firma angehörten, erhielten das Schulgeld für ihre Kinder. 2.)Arbeiter, die zehn Jahre der Firma angehörten, bekamen bei der Konfirmation eines Kindes 30 Mark. 3.)Bei der kirchlichen Hochzeit steuerte die Firma eine Traubibel bei. 4.)Nach einjähriger Betriebszugehörigkeit erhielten die Arbeiter nicht nur das Krankengeld (die Hälfte des Lohnes), sondern zusätzlich noch ein Sechstel ihres Lohnes. 5.)Für die Entbindung, oder beim Tod eines Arbeiters oder eines Ehegatten oder Kindes bezahlte die Firma zusätzlich. 6.)Feiertage, die auf Wochentage fielen, wurden wie normale Arbeitstage bezahlt. 7.)Bis zum Austritt der Kinder aus der Schule gab die Firma wöchentlich ein Kilogramm Brot (nichteheliche Kinder ausgenommen). Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Brotzulage jedoch auf Verlangen der Gewerkschaften abgeschafft. |