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Das Papiermacher-Handwerk in Breitenbrunn
Lumpensammler zogen einst von Breitenbrunn aus, um alte Kleidungsstücke zu Papier zu verarbeiten. Das Breitenbrunner Papier war geschätzt. Selbst Johann Sebastian Bach schrieb darauf. Im Jahre 1647 wurde von George Kunzmann am Fuße des Dorfberges eine Papiermühle angerichtet und erbaut. Bald ging die Mühle ein. Vier Jahre später übernimmt ein Papiermacher aus Böhmen, Hanns Ruscher, die Anlage von dessen Witwe. Die Besitzer wechseln relativ häufig.(1) Johann Sebastian Bach schrieb seine Kantaten 17, 35, 84 und 120 auf Papier, das mit dem Wasserzeichen GAW (den Initialen von Georg Adam Walther) und dem Posthorn versehen war.(2) Am 10. November 1685 erteilte Kurfürst Johann Georg III. der Breitenbrunner Mühle das Recht des Lumpensammelns im Amte Schwarzenberg (mit Ausnahme des Amtes Crottendorf, weil dort eine andere Papiermühle bestand). Da die Hadern das einzige Rohmaterial zur Papierherstellung waren, war dieses Privileg sehr begehrt.(3) Erst die Erfindung des Holzschliffpapiers durch Friedrich Gottlob Keller 1843 ließ aus dem Papier ein Massengut werden.(4) Die Bürgermeister in den Städten, die Hammerherrn in den Gutsbezirken und die Gerichte der Ortschaften hatten darauf zu achten, dass niemand sonst die getragenen Stoffe erhielt. Kündigte sich ein Sammler an durch Pfeifen und den Ruf „Der Lumpenmatz ist da!“ oder „Haderlump, Haderlump“, so musste er zunächst den Amtspass vorzeigen, der von der Polizei bescheinigt war. Danach durfte er die Hadern gegen Kleinigkeiten wie Bilderchen, Nadeln und Messer eintauschen.(5) In den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts wurde Breitenbrunner Papier in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Grimma verwendet. August Schumann schreibt 1824 in seinem „Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen“: „Auch befindet sich in diesem Orte eine Papiermühle, deren jetziger Besitzer vorzüglich schönes Papier liefert. Man erhält bei demselben fast alle Sorten der feinsten deutschen Papiere; holländisches, schweizerisches, englisches Linien-Papier, auch fast alle Sorten gefärbtes.“(6) Bis 1872 wurde handgearbeitetes Papier aus Lumpen hergestellt. Als Wasserzeichen diente für das größte Format ein Elefant. Deshalb wurde das Papier unter dem Namen Elefantenpapier bekannt. Zehn Hadersammler waren angestellt, wovon drei Breitenbrunner waren. Jeder schleppte pro Tag einen Zentner Lumpen zur Mühle. Trotzdem reichte das Rohmaterial bald nicht, weswegen auch gebrauchtes Papier verarbeitet wurde. Viltrierpapier, Aktendeckel und Packpapier wurden produziert. Am 21. Januar 1893 brannte die Mühle nieder. Anmerkungen: (1)Berger, S. 31. (2)Matuschek. (3)Berger, S. 32. (4)Vgl. Sittauer, S. 25. (5)Berger, S. 33. (6) Berger, S. 35. Literaturverzeichnis: Richard Berger, Erinnerungen aus dem Bergwalddorfe Breitenbrunn, Breitenbrunn 1930 (Erzgebirgische Heimatkunde; Heft 14). Beate Matuschek, Bach schrieb auf Breitenbrunner Papier, in: Freie Presse Schwarzenberg, 29. Juli 2000, S. 16. Hans L. Sittauer, Friedrich Gottlob Keller, Leipzig 1982 (Biographien hervorragender Naturwissenschaftler, Techniker und Mediziner; Bd. 59). |