TV-Leute wandern in Erlabrunn

Erlabrunn. Am 17. Juni kommt ein MDR-Fernsehteam nach Erlabrunn. 15 Wanderfreunde werden mit dem Sänger Florian Silbereisen die Generalprobe für die 1. Erzgebirgisch-Sächsische Bierwanderung zum Deutschen Wandertag Ende Juli durchführen. Die Sendung wird am 12. Juli 19.50 Uhr im MDR-Fernsehen ausgestrahlt. Eingefädelt hatte die Tour Johannes Schmidt vom SV Wismut Erlabrunn.

Wie kam die Veranstaltung zustande?

Ostern 1990 standen plötzlich fünf Sportfreunde vom TSV Erlabrunn bei Würzburg (Franken) beim damaligen Abteilungsleiter Fußball des SV Wismut Erlabrunn, Johannes Schmidt vor der Tür und bekundeten Interesse, dass beide Fußballgemeinschaften in freundschaftlichen Kontakt treten. Der namensgleiche Ort Erlabrunn liegt direkt am Main und besitzt Weinberge, die von mehreren Winzern bewirtschaftet werden. Dort ist es zu einer langjährigen Tradition geworden, dass jährlich einmal nach der Weinernte eine Weinwanderung unter Regie des TSV stattfindet. Jeder Weinbauer bewirtschaftet zu dieser Veranstaltung in den Weinbergen einen Verkostungsstand, der von den Wander- und Weinfreunden angelaufen wird.

Da es bei uns keine Weinberge gibt, dafür aber viele Brauereien und bekannt ist, dass in Sachsen überdurchschnittlich viel Bier getrunken wird, wurde von Johannes Schmidt die Idee geboren, eine Bierwanderung durchzuführen, wo statt Wein verschiedene Biere verkostet werden können. Nun hat die Theorie und die Realität bekanntlich zwei Seiten. Wie sollen die Erzgebirger hinter dem Ofen hervor gelockt werden und wie ist eine optimale Werbung und damit Beteiligung realisierbar?

Im Juni 2000 wurde mit der theoretisch möglichen Gestaltung begonnen, da kam 2001 die Information gerade recht, dass der 103. Deutsche Wandertag 2003 in Schwarzenberg durchgeführt wird, zum 3. mal im Erzgebirge seit Bestehen des gesamtdeutschen Vereins, zwei mal davon vor dem 2. Weltkrieg. Dies war der ausschlaggebende Punkt, die Veranstaltung aus der Taufe zu heben, da eine ausreichende Beteiligung möglich schien.

Fünf Brauereien machen mit

Mit einem herzlichen Glück Auf rund um den Auersberg zur "1. Erzgebirgisch- Sächsischen Bierwanderung 2003" stellt für alle Wanderfreunde und Freunden eines frisch gezapften einheimischen Bieres einen einmaligen Höhepunkt in sportlicher, kulinarischer und kultureller Hinsicht dar. Es konnten fünf einheimische Brauereien geworben werden. Hinzu kommen vier Anlaufpunkte in Form von Gaststätten rund um den Auersberg. Auf dem Sportplatz des SV Wismut Erlabrunn wird ein Festzelt gestellt, da diese Veranstaltung gleichzeitig Orts- und Vereinsfest ist. Die Wanderung wird an zwei Tagen (25. Juli und 26. Juli 2003) als kurze (13 km) und lange Strecke (21 km) angeboten.

Informationen zur Wanderstrecke

Erlabrunn ist ein kleines Dorf im Landkreis Aue- Schwarzenberg nahe der Grenze zur Tschechischen Republik mit rund 1000 Einwohnern. Bekannt geworden ist es durch viele prominente Sportler, die im Krankenhaus Erlabrunn das Licht der Welt erblickten, zum Beispiel Jens Weißflog, Sven Hannawald, Björn Kircheisen und Markus Beyer.

Der SV Wismut Erlabrunn ist der größte Verein im Ort, aus der Tradition heraus wurde der Name und der Bergmannsgruß "Glück Auf" beibehalten. Start und Ziel ist das Festzelt auf dem Sportplatzgelände. Das neue Sportlerheim, direkt am Fußballplatz, ist das zweite von den Fußballern gebaute Heim innerhalb von nur 25 Jahren. Es wurde 2001 eingeweiht.

Steinbachtal, vom Sportplatz nach Johanngeorgenstadt: Bereits im 16. Jahrhundert wurde entlang des Steinbaches im Steinbachtal Zinnseifen betrieben, das heißt, es wurde Zinngraupen ausgewaschen. Auch auf dem Gelände des Sportplatzes und des Graupnerweges (Name vom Zinnseifenbergbau), wo unsere Wanderung beginnt. Der Steinbach wird an der Wegegabelung überquert, weiterwandern auf der Steinbachtalstraße nach Steinbach, einem Ortsteil von Johanngeorgenstadt. Wir kommen mitten im Wald an einer Metallwarenfabrik vorbei, die im späten 19. Jahrhundert von einem gewissen Beyreuther errichtet wurde als Holzschleiferei. 1932 von Max Heinrich umfunktioniert zur metallverarbeitenden Firma. 1948 bis auf die Grundmauern niedergebrannt, wurde sie wieder aufgebaut, in den 60-er Jahren enteignet und nach der Wende wieder privatisiert. Das Gebiet auf der anderen Seite des Baches heißt vom Bergbau her Keller, deshalb heißt die Firma im Volksmund auch Kellerschleiferei. Über die Kellerbrücke verlief früher ein bedeutender Fahrweg. Auf ihr wurde von Johanngeorgenstadt über die Rotgrubener Straße das Kobalterz nach Bockau in die Blaufarbenfabrik "Schindlers Werk" transportiert.

Am 6. Juli 1931 kam es zu einem nie dagewesenen Gewitter über dem Erzgebirgskamm im Raum "Kleiner Kranichsee". Es kamen ungeheuere Wassermassen, die sich zum Steinbach und über Schwefel- und Jugelbach sich ins Schwarzwasser ergossen. Hier war dieser Bach ca. 100m breit und stand 1m über der Straße. Hier gab es keine Straße mehr, Felsbrocken, Steine, Geröll und Holz lagen meterhoch. Vom Jahrhundert- Hochwasser im August 2002 dagegen sieht man lediglich die sauber geschliffenen Steine im Bachbett, die normalerweise entweder grün von Algen überzogen sind oder eine rostbraune Farbe durch das stark eisenhaltige Wasser aufweisen.

Wir kommen an den Teufelsteinen vorbei, eine gewaltige Felswand aus Turmalingranit. Zu beachten ist die Hinweistafel mit geologischer Beschreibung. Der rechte Felsturm ist ein bekannter Kletterfelsen mit dem höchsten sächsischen Schwierigkeitsgrad. Die Entstehung der eigenartigen Türme und Wülste, deren Formen sich die Menschen früher nicht erklären konnten, beruht auf einer Sage. Der Teufel soll hier in einer Burg gehaust haben, wurde von einem frommen Einsiedler bezwungen und die Burg wurde zu Stein.

Wir kommen links und rechts an Granit- Steinbrüchen vorbei, zur Gewinnung von Steinen für den Bau der Neustadt von Johanngeorgenstadt zur Wismut- Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Wir erreichen den Ortsteil Steinbach, welcher bereits um 1530 genannt wurde. Neben Eisen wurde hauptsächlich Zinn abgebaut. Die langgestreckten Seifengebirge wurden bis ins 18. Jahrhundert mehrfach durchgearbeitet. Auf Grund der Höhenlage war und ist es bekannt als Sommerfrische.

Johanngeorgenstadt liegt an der Grenze zur Tschechischen Republik und kann 2004 das 350-jährige Stadtjubiläum feiern. Einst gegründet von heimatvertriebenen Exulanten aus Böhmen, wurde die Stadt berühmt und berüchtigt durch den Uran- Abbau der SDAG Wismut nach 1945. Heute sieht man aus dieser Wild- West- Zeit nur noch wenig, die Altstadt wurde weggerissen und dafür die Neustadt aufgebaut. Johanngeorgenstadt ist die Heimat der Kultgruppe "De Randfichten".

Wir erreichen den 1. Anlaufpunkt, die Gaststätte und Pension Stiehler und können nun das KunoBräu aus Erlabrunn verkosten.

Weiter geht es über den Eisenganzweg in Richtung Auersberg. Am Weg stand früher ein Zechenhaus, der Name entstand durch den Eisenerzabbau. Am "Kleinen Stern", einer sternförmigen Weggabelung, gehen wir steil bergauf über die "Wellenschaukel" zum Auersberg in 1018 Meter Höhe. Schon im 17. Jahrhundert wurde ein hölzernes Aussichtsgerüst erwähnt, der steinerne Turm in der jetzigen Form entstand 1907, die Turmhaube aus Holz 1940. Das Auersberghaus wurde 1907 aus Mitteln des Erzgebirgszweigvereins errichtet und 1914 erweitert. Heute ist es ein Berghotel mit Gaststätte. Vom Aussichtsturm hat man bei klarer Sicht einen herrlichen Blick über das obere Erzgebirge, ins sächsische Tiefland und westlich zum Vogtland bis ins Fichtelgebirge.

Man sieht die Trinkwasser-Talsperre in Sosa. Diese war das erste Jugendobjekt der DDR, gebaut von 1949 bis 1951. Nordwestlich Blick zum Fichtelberg 1214 Meter und zum Klinovec auf tschechischer Seite in 1244 Meter Höhe. Erwähnenswert ist die große Radarstation auf dem Berg. Vor der Wende von der Staatssicherheit zum Abhören des Funkverkehrs genutzt, dient sie heute als Flugleiteinrichtung. Auf dem Auersberg können wir das legendäre "Wenesgrüner Pils" verkosten.

Nun geht es ein Stück bergab und rund um den Auersberg herum zum "Großen Stern", eine sternförmige Weggabelung. Von dort zum "Kleinen Stern" und den Abzweig "Vetternweg" zur Sosaer Straße. Wir erreichen den Berggasthof "Riesenberger Häuser", früher war es ein Zechenhaus, erstmals erwähnt 1623, heute ist es eine Ausflugsgaststätte mit Pension.

Weithin bekannt ist eine Spezialität des Hauses, der "Schieböcker". Dies war früher ein einfacher und billiger Magermilchkäse, heute eine kostenswerte Delikatesse. Unterhalb der Gaststätte befindet sich ein Naturflächendenkmal mit seltenen Pflanzen und Tieren. In dieser Gaststätte wird heute Bier ausgeschenkt von der Spechtbrauerei aus Ehrenfriedersdorf.

Weiter geht es auf der Sosaer Straße bis zum Abzweig Erlabrunn nach rechts. An der nächsten Kreuzung geht es bergauf zum Naturfreundehaus "Rote Grube". Früher war es ein bedeutendes Zinn- und Eisenerzbergwerk. Noch heute sind ringsum im Wald bis 20m tiefe Bingen zu sehen. Die sind Einsturzlöcher, die bei an der Oberfläche liegenden Bergwerkstollen durch Nachrutschen entstehen. Das Zechenhaus wurde 1928 abgerissen und dafür eine Jugendherberge errichtet. Von den Nazis wurde das Objekt als Schulungsheim genutzt, nach 1945 Unterkunft für in der Nähe arbeitenden Torfarbeiter, danach für eine Zeit Bergarbeiterunterkunft und bis zur Wende Jugendherberge. Heute ist es wieder eine Einkehr- und preiswerte Übernachtungsstätte für Jedermann. Das großzügig gestaltete Außengelände ist vielfach sportlich nutzbar. An diesem letzten Anlaufpunkt vor dem Ziel wird Bier verkostet von der Privatbrauerei Christian Fiedler aus Oberscheibe.

Nun geht es bergab über die Rotgrubener Straße nach Erlabrunn. Wir überqueren den Milchbach, der Name stammt noch aus dem frühen Zinnseifen, wo das Wasser ein milchig trübes Aussehen annahm.

Am Ziel auf dem Sportplatz erwartet uns ein Imbiss und Bier der GlückAuf-Brauerei aus Gersdorf. Hinter uns liegen 21 Kilometer anspruchsvolle Strecke bergauf und bergab. Alle Brauereien haben sich würdig mit Braumeistern oder Firmenchefs präsentiert. Ein Dankeschön an alle Brauereien, Gaststätten, Organisatoren, Wanderfreunde und an Gola, die dazu beigetragen haben, dass unsere Veranstaltungen reibungslos abgelaufen sind bzw. ablaufen werden.

Die Veranstaltung soll mithelfen, unsere erzgebirgische Heimat mit seinen Bieren bekannt zu machen. Diese Bierwanderung im Vorfeld des 103. Deutschen Wandertages 2003 in Schwarzenberg stellt eine optimale Werbung für unsere beiden offiziellen Veranstaltungen am 25. und 26.07.2003 dar.

(05.06.03)

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