Die Sage vom steinernen Herzen im Schwarzwasser bei Erlabrunn

Im Schwarzwassertale lag einst eine Zeche, "Trau auf Gott" genannt. Als ihr Besitzer seinen Knappen versprach, dass derjenige die Hälfte der Ausbeute erhalten solle, der zuerst eine reiche Silberader finden und anhauen werde, da regten sich mit verdoppeltem Eifer die Hände der fleißigen Knappen. Aber manche Schicht wurde verfahren, und es zeigte sich doch immer nur taubes Gestein, so daß allmählich die Begleute die Lust verloren. Schließlich war es nur noch ein einziger, der in der Grube arbeitete. Der aber gönnte sich keine Ruhe, er schürfte selbst in den Nachstunden.
Da geschah es einmal um Mitternacht, als er bekümmerten Herzens ein Gebet zum Himmel richtete, dass ihm der Berggeist im hellen Lichte erschien und ihm einen reichen Gang zeigte. Voller Freude überbrachte er die Botschaft seiem Herrn.
Beide stiegen darauf in den Schacht hinab, wo ihnen das Silbererz entgegenleuchtete. Als aber der Knappe ihn an sein Versprechen erinnerte und ihm vorstellte, dass nun die Not seiner Familie ein Ende habe, da schwieg der Herrn. Er überdachte, wie viel er von dem Reichtum verschenken müsse, wenn er sein Versprechen einlöste. Die Habsucht machte ihn rücksichtslos und hartherzig, und er beschloss, seinen Mahner heimlich aus dem Wege zu schaffen.
Das musste gleich geschehen, ehe der Knappe seiner Familie von dem Fund erzählte. Unten im Schacht, wo kein Mensch Zeuge war, erwürgte der Herr den treuen, von seiner unermüdlichen Arbeit fast erschöpften Bergknappen.
Die Grube "Trau auf Gott" aber blieb von Stund an verlassen, denn der Berggeist nahm wieder, was er so reichlich geschenkt hatte.
Der Grubenherr fand die verdiente Strafe, denn er verfiel dem Teufel. Sein von Reue gequältes Herz jedoch wuchs zum riesengroßen Steine, der lange Zeit als "steinernes Herz" in Erlabrunn in den Fluten des Schwarzwassers lag, bis er vor wenigen Jahren bei Uferbauten des Schwarzwassers zerschlagen wurde.

Aus: Hermann Hallbauer/Horst Henschel, Der Sagenschatz des Erzgebirges. 1. Teil: Der Sagenschatz des Schwarzwassergebietes, Schwarzenberg 1934, S. 21.

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